Als Hans Nübold nach Adelberg kam, hatte er bereits Erfolg bei öffentlichen Aufträgen (im Bereich der sogenannten Kunst am Bau) und bei Wettbewerben aufzuweisen.
Es waren organische Formen aus Holz und Bronze, Beton, die der von der Ausbildung geprägten Phase der Gegenstandlosigkeit um 1968 zuzurechnen sind.

Bald wurde diese Phase von Arbeiten abgelöst, die sich wieder der Gegenständlichkeit annährten. Die zunächst archaisch vereinfacht aufgefasst waren, später aber immer mehr zu einer dramatischen Form neigten, die aus der Spannung von Ausdruck und Bewegung lebt. Diese bewusst in die Figuren hinein gearbeitete Dramatik ist ein wesentliches und bestimmendes Element in Nübolds Schaffen. Neben der Vollplastik treten die Reliefgestaltungen, und es beginnt eine fruchtbare Phase in der er vor allem mit Terrakotta arbeitet. In dem Maße wie der Bildhauer mythische, ja mythologische Anregungen aufgreift, biblische Themen heranzieht, gewinnen seine Darstellungen an Ausdrucks- und Überzeugungskraft. In kontinuierlicher Folge entstehen drei wichtige plastische Werke die alle biblischen Ursprungs sind, ihrer inhaltliche Auffassung und gedanklichen Auslegung nach, jedoch über die religiöse Gebundenheit hinausgreifen und auf spezifische menschliche Züge verweisen, auf Grenzüberschreitungen, wie es Hans Nübold nennt. Denn nur „wenn er seine Grenzen überschreitet wird der Mensch messbar“. Die drei Werke tragen die Titel „Frau Lot“, „Salome“, „Eva“ und stehen symbolisch für Versuchung und Verführbarkeit, was sowohl real und konkret, nämlich im Blick auf die Sinnlichkeit, als auch ideell überhöht, nämlich im Blick auf das durchaus aktuell verstandene Gleichnis gemeint ist. In jedem Fall kommt es dem Bildhauer auf die Erfahrbarkeit und die Lesbarkeit solcher Gleichnisse an. Der Betrachter soll sich zunächst nicht den Kopf zerbrechen müssen, was es mit der Darstellung auf sich hat, er soll sogleich einen sinnlichen Reiz empfangen, soll das spontane Gefühl von Angst und Lust, Liebe und Verzweiflung haben.

„Das Werk“ so fordert Hans Nübold, muss „eindeutig, sinnlich erfassbar sein, immer einfacher werdend, auf eine große klare Linie setzen“. Es ist die „inhaltsgeladene, gegenständliche Form“, der er den Vorzug gibt.

Handwerkliche Intensität allein freilich erklärt die Wirkung des Nübold `schen Werkes nicht. Es ist die aus der vorher beschriebenen Arbeitsweise fast zwangsläufig sich ergebende Gestaltung in Zyklen, die Ihm Geltung verschafft.

Hans Nübold – das ist ein aus der Fülle der Tradition schöpfender, mit beiden Beinen im Heute stehender, mit barocker Lust schaffender Künstler.

Heinrich Domes (Kulturredakteur)